Tabellarischer Abriss

1914:
Die aufstrebende, ausschließlich von Arbeitern bewohnte, seit
1900 stark angewachsene Gemeinde Tungendorf fasst den Plan, ein
Volkshaus/Jugendheim für alle Bereiche der allgemeinen Jugend-,
Sport- und Wohlfahrtspflege zu realisieren. Drei voneinander
unabhängiger Planungsabsichten finden seitens der Zentral- und
Bezirksbehörden, sowie ortsansässiger Vereine Unterstützung und
Förderung und sollen in einem Gebäude zusammengefasst werden.
Der in stetiger Entwicklung gebliebene, in jahrelanger Arbeit gereifte
Baugedanke umfasst einen Turn- und Gemeindesaal, ein Heim für die
heranwachsenden Jugendlichen und eine Warteschule für die noch
nicht schulpflichtigen Schulkinder.

August 1916:
Günstige räumliche und persönliche Verhältnisse ermöglichen es dem
Amtsmann und Bauern Hinrich Riepen, der Gemeinde zu diesem
Zwecke ein Baugrundstück, eine 3,7 bis 4 ha große Koppel, zu
schenken.

April 1919:
Schon vor dem ersten Weltkrieg geplant, wird auf dem gespendeten
Gelände Hürsland 2 nach Kriegsende basierend auf Plänen des Kieler
Heimatschutzarchitekten Ernst Prinz mit dem Bau des
Volkshauses/Jugendheimes begonnen. Infolge der schwierigen
politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse kommt der Bau nur sehr
langsam voran.

1920:
Der Nordflügel, das eigentliche Jugendheim, mit der Hauswirtschafts-
küche, dem Lesezimmer mit Bücherei und den Räumen für die
Jugendfreizeit und Vereinsarbeit wird fertiggestellt und bezogen. Die
erhöhten Baukosten infolge Geldentwertung behindern den weiteren
Baufortschritt. So bleibt der Mittelbau und Südflügel durch die
anhaltende Inflation ein Jahr als Bauruine stehen.

Ende 1920:
Die Gemeinde erhält aufgrund des großen persönlichen Engagements
des Schulrats Rudolf Tonner Zuschüsse aus staatlichen
„Überteuerungsgeldern“ in Höhe von 50.000 Mark vom Kultus-
ministerium in Berlin, mit deren zusätzlicher Hilfe der Bau letztlich
vollendet werden kann.

Im Südflügel werden das Kreiswaisenheim und die Warteschule
untergebracht. Neben den Spielräumen, Schlafplätzen und Toiletten
für die noch nicht schulpflichtigen Kinder gibt es Einrichtungen für
Säuglinge und Wohnungen für Kindergärtnerinnen. Den Mittelpunkt
der ganzen Anlage bildete der Turn- und Gemeindesaal mit Eingangs-
halle sowie Vorräumen rechts und links, die als Umkleide- bzw.
Garderobenräume dienten.

Im Untergeschoss befindet sich eine Badeanstalt mit einer Anzahl
Wannenbädern und mehreren Räumen mit Duschbädern. Ansonsten
sind hier Heizung, die Anlage zur Warmwasserbereitung und die
Kohlen- und Vorratskeller untergebracht.

Juli 1922:
Der fertiggestellte Gebäudekomplex (Mittelbau und Südflügel) wird
mit den Außenanlagen, Sport- und Spielplatz seiner Bestimmung
übergeben. Zusätzlich wird mit der Errichtung eines Gedenksteins auf
der Eingangsseite des Volkshauses den Gefallenen und Vermissten
des 1. Weltkrieges gedacht. Der Entwurf hierzu stammt von Ernst Prinz. Der Sportverein Tungendorf von 1911 bestimmt seit seiner
Gründung das sportliche Geschehen in Tungendorf. Für unzählige
Männer und Frauen, Jugendliche und Kinder des Vereins sind die Turn-
und Festhalle bis zu ihrem Umbau nach dem Volkshausbrand Übungs-
und Begegnungsstätte.

1934:
Der Neubau eines kleinen Bürogebäudes wird südlich des Grundstücks
zur Aufnahme der Gemeindeverwaltung Tungendorf erstellt.

März 1938:
Ein Großteil des Gemeindegebietes wird zu Neumünster eingemeindet.
Das Dorf bleibt ausgeklammert. Dieses wird eine Gemeinde mit dem
Dorf Tasdorf.

April 1970:
Nach längeren Verhandlungen wird auch das Dorf Tungendorf im
Rahmen der Gebietsreform eingemeindet.

1974:
Zum Volkstrauertag wird vor dem Volkshaus die Gedenkstätte für die
Gefallenen und Toten aus dem 2. Weltkrieg errichtet und mit dem
Ehrenmal für die Gefallenen aus dem 1. Weltkrieg in einer
gemeinsamen Anlage  in der südwestlichen Grundstücksecke
angeordnet.

Februar 1978:
Der Dachstuhl des Mittelbaus der Turn- und Festhalle wird durch einen
Brand zerstört.

Juni 1980:
Beim Wiederaufbau des Hauses wird das Lesezimmer mit Bücherei
vom Nordflügel in den Mittelbau verlagert und entsprechend den
heutigen Nutzungsansprüchen großzügig erweitert. Seit der
Wiedereröffnung des Volkshauses steht in der neuen Zweigstelle der
Stadtbücherei den Tungendorfern neben dem traditionellen Buch-
verleih zusätzlich ein großes Spektrum an unterschiedlichen Medien
wie Zeitschriften, Hörkassetten, CD’s u.a. zur Verfügung. Darüber
hinaus bietet sie den Raum für Gesprächskreise der Volkshochschule,
für Autorenlesungen und Spielnachmittage für Kinder.
Im gleichen Zuge erfolgt auch eine Neuorganisation des Jugendfreizeit-heimes, das die frühere Jugendarbeit des SVT in erweiterter Form
fortsetzt. Durch die gleichzeitige Nutzung des Nordflügels für Seniorenkreise einerseits und die Kinder- und Jugendarbeit
andererseits wird im Volkshaus der Versuch unternommen, zwischen
den Generationen für ein größeres Maß an Verständnis zu werben.

April 1989:
Verpachtung des Sportplatzes an den Sportverein Tungendorf.

2010:
Nach umfangreichen Renovierungen und einem neuen Konzept
beherbergt das Volkshaus die Kindertagesstätte im Nordflügel, den
Festsaal  im Mittelbau - der Veranstaltungsort vieler Aktivitäten des
Förderkreises Volkshaus Tungendorf -, das Mehrgenerationenhaus mit
Café und Bücherei im Südflügel und die Polizei im Nebengebäude.

Damit hat das Volkshaus seine ursprüngliche Funktion als Haus des
Volkes wiedergefunden.



 

 




Volkshaus Tungendorf • Hürsland 2 • 24536 Neumünster